Stella (19) möchte die Welt ein Stückchen besser machen. „Ich wollte unbedingt etwas für unsere Zukunft und die Umwelt tun und der Natur etwas zurückgeben“, erzählt sie. Nach ihrem Realschulabschluss und einem Freiwilligen Ökologischen Jahr begann sie eine Ausbildung zur Umwelttechnologin für Abwasserbewirtschaftung. Heute ist sie im 2. Ausbildungsjahr beim Umweltdienstleister Veolia Wasser Deutschland GmbH in Döbeln.
Ein abwechslungsreicher Ausbildungsalltag
3 Dinge waren Stella für ihre Ausbildung besonders wichtig: „Echter Umweltschutz, ein abwechslungsreicher Alltag und langfristige Sicherheit für die Zukunft“, zählt sie auf. Ihre Ausbildung bietet genau das. Stella macht eine duale Ausbildung. Sie lernt im Betrieb bei Veolia und an der Berufsschule in Pirna. Hinzu kommen Kurse in einem überbetrieblichen Bildungszentrum in Nünchritz. Es gehört zur Anerkannten Schulgesellschaft Sachsen (ASG). So verteilt sich ihre Ausbildung auf 3 Lernorte.
Typische Schulfächer hat Stella in der Berufsschule weniger. In den ersten Ausbildungsjahren hat sie zwar auch Fächer wie Englisch oder Deutsch und Kommunikation. Im Mittelpunkt stehen aber andere Inhalte. „Bei uns sind die Hauptinhalte sogenannte Lernfelder, die sich an den späteren Aufgaben im Berufsleben orientieren. ‚Umwelttechnische Anlagen und Leistungsnetze betreiben‘, ‚Abwasser beproben und untersuchen‘ oder ‚Schlämme behandeln‘ sind zum Beispiel Lernfelder bei uns“, berichtet sie. „Wir lernen unter anderem, wie sich Stoffe zusammensetzen und unter bestimmten Bedingungen verhalten.“ Auch Physik spielt eine große Rolle. Damit berechnet Stella zum Beispiel Durchflussmengen oder wie stark sich Rohrleitungen bei Wärme ausdehnen.
In ihrem Praxisbetrieb kann Stella dieses Wissen direkt anwenden. Eine ihrer Hauptaufgaben ist, das Schlammvolumen in Kläranlagen zu bestimmen. Dafür nimmt sie Proben vom Belebtschlamm und aus den Ausläufen der Anlage. Belebtschlamm besteht aus Bakterien und anderen Kleinstlebewesen, die das Abwasser reinigen. Sie bauen im Klärbecken die Schmutzstoffe im Abwasser biologisch ab. Stellas Kolleginnen und Kollegen prüfen die Proben später im Labor auf die gesetzlichen Grenzwerte. Diese Aufgabe begeistert Stella besonders. „Wenn es der Betriebsalltag erlaubt, nehme ich Proben am liebsten selbst.“ Zudem prüft sie die Anlagen und sorgt für einen störungsfreien Betrieb. „Wir müssen ein großes Verantwortungsbewusstsein besitzen, denn unsere Arbeit schützt direkt die Umwelt. Übersehen wir eine Störung, kann ungereinigtes Abwasser in die Flüsse gelangen und dort verheerende Schäden anrichten“, erzählt sie.
Im 1. Ausbildungsjahr besuchen die Auszubildenden für Umwelttechnologie aus Stellas Berufsschule gemeinsam die Grundkurse im Bildungszentrum. Ab dem 2. Ausbildungsjahr belegen sie Kurse für ihre jeweilige Fachrichtung. Dort lernen sie Inhalte, die der Betrieb nicht abdeckt. Dazu gehören Theorie und Praxis in den Bereichen Labor, Werkstatt und Messtechnik. Stella lernt hier zum Beispiel den Umgang mit bestimmten Umweltchemikalien oder Messgeräten.
Zitat:„Mir gefällt die Kombination aus Theorie und Praxis sehr, ich schätze die Abwechslung. Ich bin gerne draußen aktiv, um für gereinigtes Abwasser zu sorgen. Genauso gerne lerne ich aber im Labor und im Unterricht die wissenschaftlichen und technischen Hintergründe meiner Arbeit kennen.“ – Stella
An der Berufsschule und im Bildungszentrum hat Stella Blockunterricht. „Deutschlandweit gibt es nicht so viele Berufsschulen, die eine Ausbildung im Bereich Umwelttechnologie anbieten“, erklärt sie. Deshalb reisen viele Auszubildende für diese Unterrichtsphasen extra an und wohnen in dieser Zeit in einer Unterkunft.
Die Ausbildung macht Stella sehr viel Spaß, auch wenn nicht immer alles einfach ist. Manchmal muss sie schwere Lasten wie Schachtabdeckungen bewegen. „Die körperliche Arbeit im Alltag ist manchmal meine größte Herausforderung. Aber ich nehme das als echten Ansporn: Man lernt im Laufe der Zeit, die fehlende Kraft durch die richtigen Techniken auszugleichen.“
Gemeinsam die Welt ein bisschen besser machen
„Ich würde die Ausbildung allen empfehlen, die gerne draußen unterwegs sind, Naturwissenschaften mögen und aktiv etwas für den Umweltschutz tun wollen. Man sollte allerdings kein Problem damit haben, sich mal die Hände schmutzig zu machen“, rät Stella. „Zudem ist es wichtig, ein gutes naturwissenschaftliches Grundverständnis mitzubringen oder bereit zu sein, es aufzubauen. Auch technisches und handwerkliches Geschick kann bei einigen Aufgaben hilfreich sein. Und man muss mathematische Berechnungen anstellen können, um beispielsweise den Schlammvolumenindex oder die Schlammbelastung und das Schlammalter zu berechnen.“
Ihr Ausbildungsberuf ist aktuell noch sehr männerdominiert. Davon lässt sich Stella aber nicht einschüchtern. Sie hat sich bewusst für diesen Weg entschieden.
Stella findet es wichtig, sorgsam mit unserer Umwelt umzugehen: „Wasser ist die Lebensader unserer Natur und gleichzeitig unsere wichtigste Ressource weltweit.“ Wie empfindlich der Wasserkreislauf ist, erklärt sie an 2 Beispielen: „Eine einzige Zigarettenkippe verunreinigt zwischen 40 und 60 Liter sauberes Grundwasser. Und schon ein einziger Tropfen Öl oder Benzin reicht aus, um bis zu 600 Liter Trinkwasser ungenießbar zu machen. Genau deshalb ist es mir so wichtig, jeden Tag meinen Beitrag für sauberes Wasser zu leisten“, sagt sie.
Nach ihrem Abschluss stehen Stella viele Türen offen. Sie kann zum Beispiel die Meisterprüfung zur Abwassermeisterin machen oder nach mehrjähriger Berufserfahrung sogar studieren.
Tipp:Tipp: Unter bestimmten Voraussetzungen ist ein Studium auch ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung möglich. Nach einer Ausbildung eröffnen sich dadurch neue Berufs- und Karriereperspektiven. Weitere Informationen kannst du auf Studieren ohne Abitur nachlesen.


