Der Arbeitsmarkt in Hagen zeigte sich nach dem Ende der Sommerpause etwas entlastet. Die Zahl der Arbeitslosen sank gegenüber dem Vormonat um 116 oder 0,9 Prozent auf 12.798, die Quote um 0,2 Punkte auf 12,4 Prozent. Vor genau einem Jahr waren es bei gleicher Quote aber 24 Erwerbslose weniger.
„Wir haben zwar eine sinkende Arbeitslosigkeit in Hagen, doch ist dies aktuell kein Anlass zur Freude“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Zum einen sind es wieder mehr Arbeitslose als vor genau einem Jahr, zum anderen ist der Rückgang im Vergleich zum Vormonat überwiegend auf einige Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich der Grundsicherung zurückzuführen. Die aktuelle Kräftenachfrage zeigt trotz Herbstbeginns keine nennenswerte Belebung. Und auch die neuesten Beschäftigungsdaten für Hagen sind negativ. Innerhalb eines Jahres gab es einen Rückgang um 244 auf jetzt rund 68.100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das alles zeigt nicht das typische Bild einer beginnenden Herbstbelebung, und konjunkturell hat sich bisher leider auch nichts zum Positiven verändert.“
Die Entwicklung von Arbeitslosenversicherung und Grundsicherung waren im September wieder gegenläufig. 3.304 Arbeitslose (Anteil 25,8 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (155 oder 4,5 Prozent weniger als im Vormonat), 9.494 (Anteil 74,2 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter Hagen betreut (39 oder 0,4 Prozent mehr). Nur bei zwei Zielgruppen zeigten sich günstige Tendenzen. Bei den Jüngeren unter 25 Jahren gab es nach den starken Zugängen mit Ausbildungsabsolventen der letzten Monate nunmehr den erwarteten deutlichen Rückgang um 93 oder 6,6 Prozent auf 1.318 Arbeitslose. Eine leicht positive Veränderung gab es auch bei den Arbeitslosen mit ausländischem Pass, deren Zahl um 62 oder 1,0 Prozent auf 6.076 zurückging. Arbeitslosen Menschen mit Behinderung verzeichneten einen Anstieg um 31 oder 3,8 Prozent auf 840. Bei den Älteren über 50 Jahren war es eine Zunahme um 26 oder 0,7 Prozent auf 4.018. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen erhöhte sich um 41 oder ebenfalls 0,7 Prozent auf 5.715. Zugleich waren dies aber 113 oder 2,0 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Gemeldete Kräftenachfrage
Der gemeldete Kräftebedarf blieb für den Herbstbeginn weit hinter den Erwartungen zurück. Die Hagener Unternehmen meldeten 282 Stellen und damit nur fünf oder 1,8 Prozent mehr als im August, zugleich 76 oder 36,9 Prozent mehr als vor einem Jahr. Innerhalb der Branchen gab es erneut deutliche Veränderungen. Den größten Kräftebedarf hatten Personaldienstleister (87 Stellen, zuvor 32), das verarbeitende Gewerbe (44, zuvor 64) und freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 43 Stellen für Assistenzkräfte, im Vormonat 60), gefolgt von der öffentlichen Verwaltung (33, zu vor 30), dem Gesundheits- und Sozialwesen (32, zuvor 22) und dem Bereich Erziehung und Unterricht (15, zuvor 7). Der Handel meldete nur acht Vakanzen (14), die Logistik nur sieben (11). Die Zahl der insgesamt gemeldeten Stellen veränderte sich kaum – mit einem kleinen Plus von fünf oder 0,4 Prozent auf 1.307. In Relation zum Vorjahresmonat waren es aber 392 oder 23,1 Prozent weniger. Aktuell sind 59,1 Prozent aller Arbeitsstellen für Fachkräfte mit dem Abschluss der dualen Ausbildung vorgesehen, für Helfer hingegen nur 18,1 Prozent.
Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme
Im September gab es in Hagen nur drei neue Anzeigen von Kurzarbeit für 87 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von zuvor angezeigter Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nachträglich abrechnen. Für April liegen inzwischen Informationen zur effektiven Inanspruchnahme für die Stadt Hagen vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld nur an 25 Betriebe für 370 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.
Gesamteinschätzung
„Die Arbeitslosigkeit sinkt zwar saisontypisch – aber auch nicht mehr. Im langjährigen Vergleich steigt sie vielmehr. Aktuell ist es auf dem Hagener Arbeitsmarkt weniger eine positive marktliche Entwicklung, sondern überwiegend das zahlenmäßige Resultat nach verstärkten Abgängen in Bildungsmaßnahmen des Jobcenters Hagen“, so Katja Heck weiter. „Insgesamt ist festzuhalten: Die zuletzt positiven Signale aus der Wirtschaft haben noch nicht zu einer Trendwende oder gar einem Aufschwung am Arbeitsmarkt geführt. Veränderungen in Konjunktur und Wirtschaft zeigen sich hier allerdings auch erst mit Verzögerung. Wohin das Pendel in den kommenden Monaten ausschlagen wird, ist derzeit noch schwer auszumachen. Mittel- und langfristig wirken viele Faktoren auf die zukünftige Entwicklung ein. Besonders die Künstliche Intelligenz (KI) verändert den Arbeitsmarkt grundlegend. Dies sollte jedoch primär als Chance und Wandel und nicht als reiner „Job killer“ gesehen werden.“