Der Arbeitsmarkt im Ennepe-Ruhr-Kreis zeigte sich nach dem Ende der Sommerpause entlastet. Die Zahl der Arbeitslosen sank gegenüber dem Vormonat um 526 oder 4,0 Prozent auf 12.517, die Quote um 0,3 Punkte auf 7,2 Prozent. Vor einem Jahr waren es bei gleicher Quote 144 Erwerbslose mehr.
„Die Arbeitslosigkeit im Ennepe-Ruhr-Kreis sinkt zwar deutlich, aber dies ist nur teilweise einer beginnenden Herbstbelebung geschuldet“, so Katja Heck, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hagen. „Der Rückgang im Vergleich zum Vormonat ist ein Stückweit auf einige beginnende Qualifizierungsmaßnahmen im Bereich der Grundsicherung zurückzuführen. Die aktuelle Kräftenachfrage zeigt trotz Herbstbeginns keine nennenswerte Belebung. Und auch die neuesten Beschäftigungsdaten für den Kreis sind negativ. Innerhalb eines Jahres gab es einen Rückgang um 1.059 auf jetzt rund 107.700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Das alles zeigt nicht das typische Bild einer beginnenden Herbstbelebung, und konjunkturell hat sich bisher leider auch nichts zum Positiven verändert.“
Die Arbeitslosenzahlen entwickelten sich in den Zuständigkeitsbereichen der Arbeitsagentur und des Jobcenters EN im September erneut parallel. 4.551 Arbeitslose (Anteil 36,4 Prozent an allen Arbeitslosen) waren Kunden der Arbeitsagentur (179 oder 3,8 Pro zent weniger als im Vormonat), 7.966 (Anteil 63,6 Prozent an allen) wurden durch das Jobcenter EN betreut (347 oder 2,2 Prozent weniger). Die Tendenzen in den Zielgruppen waren einheitlich günstig. Bei den jüngeren Arbeitslosen unter 25 Jahren setzte sich der deutliche Rückgang um 128 oder 10,4 Prozent auf 1.105 fort. Bei den älteren Arbeitslosen (50 Jahre und älter) gab es eine Abnahme um 27 oder 0,6 Prozent auf 4.553. Die Zahl der arbeitslosen Menschen mit Schwerbehinderung sank um 21 oder 2,2 Prozent auf 930. Die Arbeitslosigkeit von Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit reduzierte sich um 259 oder 5,7 Prozent auf 4.261. Die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen zeigte zuletzt eine Abnahme um 150 oder 2,8 Prozent auf 5.241. Damit waren es nur noch fünf oder 0,1 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Gemeldete Kräftenachfrage
Der gemeldete Kräftebedarf blieb für den Herbstbeginn weit hinter den Erwartungen zurück. Die Unternehmen im Kreis meldeten 344 Stellen und damit nur zwei oder 0,6 Prozent mehr als im August, zugleich 28 oder 7,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Den größten Kräftebedarf hatten Personaldienstleister (100 Stellen, nach 72 im Vormonat), und freiberufliche Arbeitgeber (Rechtsanwälte, Steuerberater etc., 67 Stellen für Assistenzkräfte, Vormonat 68) und das verarbeitende Gewerbe (48, zuvor 70), gefolgt vom Gesundheits- und Sozialwesen (41, vorher 24), dem Handel (25, vorher 36), der öffentlichen Verwaltung (17, wie zuvor), dem Bereich Erziehung und Unterricht (14, vor her 12). Das Baugewerbe meldete 12 Vakanzen (13). Die Zahl der insgesamt bei der Arbeitsagentur zur Besetzung gemeldeten Stellen nahm gegenüber August um 117 oder 7,1 Prozent auf 1.755 zu, in Relation zum Vorjahresmonat dagegen um 82 oder 4,5 Prozent ab. Aktuell sind 63,6 Prozent aller Arbeitsstellen im Kreis für Fachkräfte mit dem Abschluss der dualen Ausbildung gemeldet, für Helfer hingegen nur 17,5 Prozent.
Kurzarbeit und tatsächliche Inanspruchnahme
Im September gab es im Gesamtbezirk nur drei neue Anzeigen von Kurzarbeit für 87 potentiell betroffene Arbeitnehmer. Erst nach Ablauf von einigen Monaten zeigt sich die tatsächliche Inanspruchnahme von Kurzarbeit, da die Betriebe innerhalb dieses Zeitraums nachträglich abrechnen. Für April liegen inzwischen Daten zur effektiven Inanspruchnahme für den Kreis vor. Danach wurde Kurzarbeitergeld an 59 Betriebe für knapp 500 Arbeitnehmer tatsächlich ausgezahlt.
Lokale Entwicklungen
Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit war im September in den Städten des Kreises einheitlich rückläufig. in Breckerfeld (- 1 auf 231) war dies noch recht gering, deutlicher dagegen in Wetter (- 23 auf 872), Sprockhövel (- 37 auf 483), Schwelm (- 37 auf 1.452), Gevelsberg (- 39 auf 1.163), Herdecke (- 47 auf 701 Arbeitslose), Hattingen (- 52 auf 1.832), Ennepetal (- 86 auf 1.154) und Witten (- 204 auf 4.629).
Gesamteinschätzung
„Die Arbeitslosigkeit sinkt zwar saisontypisch – aber nur ein Teil ist auch echte Belebung. Aktuell gibt es auf dem Arbeitsmarkt im Kreis auch eine positive marktliche Entwicklung, aber überwiegend wird das zahlenmäßige Resultat durch verstärkte Abgänge in Bildungsmaßnahmen des Jobcenters EN geprägt“, so Katja Heck weiter. „Insgesamt ist festzuhalten: Die zuletzt positiven Signale aus der Wirtschaft haben noch nicht zu einer Trendwende oder gar einem Aufschwung am Arbeitsmarkt geführt. Veränderungen in Konjunktur und Wirtschaft zeigen sich hier allerdings auch erst mit Verzögerung. Wohin das Pendel in den kommenden Monaten ausschlagen wird, ist derzeit noch schwer auszumachen. Mittel- und langfristig wirken viele Faktoren auf die zukünftige Entwicklung ein. Besonders die Künstliche Intelligenz (KI) verändert den Arbeitsmarkt grundlegend. Dies sollte jedoch primär als Chance und Wandel und nicht als reiner „Jobkiller“ gesehen werden.“