Aus eigener Kraft – Unternehmerinnen aus der Ortenau schaffen Zukunft

13.10.2026 | Presseinfo Nr. 104

Bei der Pressekonferenz am 12. Oktober 2026 anlässlich der 22. Frauenwirtschaftstage in Baden-Württemberg wurde klar, wie wichtig Frauen sind, denn mit ihren Unternehmen schaffen sie Arbeitsplätze und stärken die regionale Wirtschaft. Ein Beispiel hierfür in Zahlen: In der Ortenau würde der gesamte Gesundheitsbereich inklusive Pflege und Erziehung ohne die Beschäftigung von weiblichen Personen zusammenbrechen. Hier gibt es einen Beschäftigungsanteil von rund 80 Prozent. „Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung von Frauen im Ortenaukreis ist auf einem neuen Höchststand. Waren es im Jahr 1999 noch 62.209 weibliche Personen, die einer Arbeit nachgingen, so sind es mittlerweile 88.193 (+41,8 Prozent). Fast jeder zweite Beschäftigte in der Region ist weiblich (Anteil 45,2 Prozent),“ so Theresia Denzer-Urschel, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Offenburg.

Die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt Daniela Huber unterstützt die Frauen mit diversen Angeboten, beispielsweise beim Wiedereinstieg in den Beruf, der Qualifizierung und Weiterbildung, Ratgeber zur Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf, Teilzeitausbildungen, Berufswahlverhalten und vielen Veranstaltungen speziell für Frauen. Fürs kommende Jahr ist ein „Café-Comeback“, sowie eine Aktionswoche zur Wiedereinstiegsberatung vor Ort an den Kindertagesstätten im Ortenaukreis geplant, ebenso findet die nächste Teilzeitmesse am 16. Juni 2027 statt.

Drei Gründerinnen aus der Region berichteten vor Ort über ihre persönlichen Erfahrun gen und deren besonderen Herausforderungen – von der Finanzierung über die Verein barkeit von Familie und Beruf, über Vorurteile, Ängste bis hin zum Aufbau des Kundenstamms.

Nasanin Shahrokhi Rad, Leiterin Gastronomie, Café am Eck Offenburg: Sie ist 34 Jahre alt, Mutter und ihre Familie kam damals aus dem Iran nach Deutschland. Eigent lich hatte sie BWL studiert und sich nie für den Bereich Gastronomie interessiert. Gemeinsam mit ihrem Mann hat sie sich nach der Elternzeit selbstständig gemacht und möchte für ihr Kind ein Vorbild sein. „Man erhält am Anfang der Selbstständigkeit Tipps, um die man nie gebeten hat. Wir Frauen müssen uns nicht entscheiden, wer wir sein dürfen. Wir dürfen selbst entscheiden, wer wir sein möchten,“ so Nasanin Shahrokhi Rad. Durch den Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit Offenburg konnte sie zu Be ginn der Selbstständigkeit unterstützt werden. Mittlerweile führt sie erfolgreich das Café am Eck in Offenburg und setzt dabei auf ein modernes Konzept, sowie einen Bereich speziell für Familien. Auch ein Frauennetzwerk hat sich hierdurch gebildet. Sie stand bereits vor schwierigen Entscheidungen, auch finanzieller Art, aber diese machten sie stärker.

Monika Bähr, selbstständige Winzermeisterin, Weingut Bähr Oberkirch: Vom frauendominierten Beruf der Erzieherin hat Monika Bähr in den männerdominierten Beruf der Winzerin gewechselt. In der vierten Generation führt sie seit sie 26 Jahre alt ist das Weingut Bähr in Oberkirch-Gaisbach. „Ich musste damals mit vielen Vorurteilen kämpfen, aber es hat sich gelohnt. Was für Männer manchmal selbstverständlich ist, da wur den Frauen in dieser Branche oft in Frage gestellt", erzählt Monika Bähr. Zur Aufheiterung hat sie sich gerne an folgenden Spruch erinnert: „Hilflos ist der Bauer ohne Frauenpower“. Frauen können aber beides: Eine Unternehmerin sein und gleichzeitig eine Fa milie gründen. Das möchte sie den Frauen auf den Weg geben. Sie selbst hat zwei Kinder, die mit am Weinberg groß wurden. Monika Bähr wurde als beste Winzerin Badens ausgezeichnet, ebenso mit der Wirtschaftsmedaille des Landes Baden-Württembergs.

Sandra Wurth, Agenturinhaberin, Wurth Consulting GmbH Ettenheim: Sandra Wurth ist verheiratet und führt erfolgreich eine Allianzagentur, sowie die Wurth Consulting GmbH im Bereich Unternehmensberatung in Ettenheim. Nach ihrem BWL Studium und dem frühen Tod des Vaters, der mit viel Verantwortung für sie und die Familie einherging, stand sie damals mit 22 Jahren vor der Frage wie es weitergeht. „Wer nichts wird, verkauft Versicherung“, lächelt Sandra Wurth, wenn sie an früher zurück denkt. In der Finanzwelt musste sie sich erst einmal bei den männlichen Kollegen beweisen. „Jede Frau, die eine Familie gründet, ist bereits eine Unternehmerin“, so ihre Einstellung. Heute holen sich viele männlichen Kollegen bei ihr Unterstützung und Rat. Sie hat bereits viele Auszeichnungen erhalten, ist Expertin im Bereich Mitarbeiterführung und weiß, wofür sie steht. „Armut kommt von arm an Mut“, so Sandra Wurth. Sie rät deshalb allen Frauen zu mehr Mut.

Foto von links: Daniela Huber, Monika Bähr, Sandra Wurth, Nasanin Shahrokhi Rad und Theresia Denzer-Urschel